Pietà

Über dem Altar der Taufkapelle befindet sich das wertvollste und älteste Kunstwerk der Kirche, eine gotische Pietá.

 

Dazu schreibt Dr. Ekkart Sauser im Heimatbuch Alt-und Neupradl (Innsbruck 1958):

 

Diese Taufkapelle besitzt ... als kostbarsten Schatz des ganzen Gotteshauses eine gotische Pietá-Madonna mit dem toten Christus auf ihrem Schoß. Dieses überaus wertvolle Stück gotischer Holzplastik aus dem Jahre 1430/40 war früher in einer Kapelle in der „Reichenau“ aufgestellt. Nach Abbruch dieser Kapelle kam sie in den Besitz der Pfarre Pradl und bildet heute wohl ein wahres Kleinod des Gotteshauses.

 

Das Werk, aus Birnholz geschnitzt, erhielt auf Anregung des Abtes von Wilten Heinrich Schuler seine alte Fassung wieder. Es gehört zu den ganz wenigen Resten gotischer Plastik aus den Kirchen und Kapellen unserer Stadt. Daneben hat sich noch als bemerkenswertes Stück ein Kruzifix, nach der dunklen Holzfarbe das „schwarze Kruzifix“ genannt, auf einem Seitenaltar der Spitalkirche erhalten, das, um 1500 entstanden, ursprünglich im Fürstenchor der alten Innsbrucker Stadtpfarrkirche zum heiligen Jakobus aufbewahrt wurde.

 

Unser Pradler Vesperbild, wie man in der Kunstgeschichte diese Pieta-Darstellung auch nennt, zeigt bei der näheren Betrachtung eine Ähnlichkeit mit der Rodenecker Muttergottes und einer Pieta aus dem Brixner Diözesanmuseum. Vor allem beachtenswert erscheint das steile Zurücklehnen des Oberkörpers der Muttergottes wie die „starre Stilisierung des Christuskopfes“ (C. Th. Müller).

 

Sehr gut charakterisiert der Münchener Kunsthistoriker C. Th. Müller das Gesamtwerk, wenn er sagt: „Aus der abrundenden Umreißung der sehr massiven Gesamtform ergibt sich aber ein neuer Bildausdruck beschaulicher Geschlossenheit. Die Objektivität des Plastischen in der Spätzeit des 14. Jahrhunderts forderte auch für das am Thema des Vesperbildes haftende Problem der ,Gruppe’ eine neue Lösung. Diese bot sich in einem horizontalen Darstellungstypus, bei dem der Körper Christi nicht mehr schräg aufgerichtet, sondern fast waagrecht auf den Knien Mariens lag, so daß die Kompositionselemente sich mehr additiv zueinander fügen, jedoch bildhaft konzentrisch zusammengehalten werden. Der motivische Unterschied des Innsbrucker Vesperbildes von den vorausgehenden Darstellungen darf also nicht aus der Einwirkung einer fertig entwickelten anderen Darstellungsweise dieses Themas erklärt werden ... vielmehr beweist das Innsbrucker Stück die langsame Herausbildung des jüngeren Typus aus dem älteren, die sich entsprechend einer generellen künstlerischen Wandlung in der Spätzeit des Jahrhunderts vollzog ...“

 

Die Pietà, Artikel von Dr. Helmuth Öhler, Pfarrblätter Nr. 167 und 168
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