Gedanken und Impulse zum Weißen Sonntag


 

Liebe Schwestern und Brüdern im Herrn!

 

 

 

 

 

 

Der Weiße Sonntag bildet den Abschluss des achttägigen Osterfestes. Im Evangelium dieses Sonntags (Joh 20,19-31) spielt Thomas eine besondere Rolle.

 

Thomas war nicht dabei, als Jesus am Osterabend den anderen Jüngern erschien. Die sagen ihm: „Wir haben den Herrn gesehen“. Er sagt: „Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht“ - glaube ich keinesfalls (Joh 20,25). Warum ist Thomas speziell an den Wundmalen Jesu interessiert? Das Problem, das er hat, betrifft die Identität des auferstandenen mit dem gekreuzigten Jesus. Es genügt ihm nicht, sich den Auferstandenen irgendwie als Himmelsgestalt vorzustellen. Er will zur Gewissheit gelangen, dass der Auferstandene kein anderer ist als Jesus, und zwar der Gekreuzigte.

 

Acht Tage nach dem Ostertag, also genau nach einer Woche finden die Fragen und Probleme des Thomas eine Lösung. Und zwar, weil Jesus die Initiative ergreift. Thomas hat nun die Gelegenheit, Jesu Wundmale zu betrachten und zu betasten. Ob Thomas die Wundmale tatsächlich berührt, wird nicht gesagt. Wir haben sogar den Eindruck, dass er darauf verzichtet, weil er überwältigt ist von der Begegnung mit dem Auferstandenen. Dem Thomas aber auch uns werden zwei große Gedanken mitgegeben.

 

Erstens: Der Auferstandene ist kein anderer als der irdische Jesus. Die Wundmale / Narben gehören bleibend zu ihm.

 

Zweitens: Der auferstandene Jesus lebt weiterhin in jener Intention / Gesinnung, die er in seinem irdischen Wirken bekundet hat, und an die die Wundmale erinnern. Sie erinnern an das Zeugnis, das Jesus für Gott gegeben hat, und das er mit seinem am Kreuz vergossenen Blut besiegelt hat. Er ist den Tod eines Märtyrers gestorben. Doch Gott hat ihn gerettet und damit auch bestätigt. Die Wundmale erinnern uns daran und bestätigen uns, dass Gott wirklich der ist, den Jesus verkündet hat. Die Wundmale erinnern auch an Jesu Liebe zu den Seinen, die bis zum äußersten gegangen ist, bis zur freiwilligen Lebenshingabe. Jesus lebt weiterhin in dieser Haltung der Liebe zu den Menschen.

 

Die letzten Worte des Auferstandenen im heutigen Evangelium: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“. Wir sehen den Auferstandenen nicht mit unseren Augen. Doch er ist - so sind wir überzeugt - zwar unsichtbar, aber dennoch wirklich unter uns gegenwärtig. Er weiß um uns und wir haben im Glauben persönliche Beziehung zu ihm.

 

Was ist, wenn wir die Seligpreisung als Anrede an uns in der Du-Form Hören: „Selig bist du, der / die du nicht siehst und doch glaubst.“ - Kann ich das in meiner konkreten Lebenssituation auf mich beziehen?

 

 

 

P. Martin Hasitschka SJ

 

 

 


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Gedanken und Impulse zum Weißen Sonntag - 19. April 2020
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Gedanken und Impulse zum Sonntagsevangel
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