Gedanken und Impulse zum Ostersonntag


 

Liebe Schwestern und Brüdern im Herrn!

 

 

 

Warum weinst du? Wen suchst du?

 

Der Leidensweg Jesu endet mit dem gewaltsamen Tod am Kreuz und der Grablegung. Fast alle seiner Jünger sind weg. Maria Magdalena, die Jesus schon seit Galiläa nachfolgt, bleibt ihm nahe auch in seiner Todesstunde und bei seiner Grablegung. Der erste Sabbat nach dem Tod Jesu und seine Ruhe sind vorbei. Noch in der Nacht kommt Maria Magdalena wieder zum Grab Jesu. Nun ist auch die Grabesruhe vorbei. Sie sieht: Der Stein vom Grab ist weg. Noch mehr, sie läuft zu Petrus und dem anderen Jünger und erzählt ihnen, dass auch Jesus nicht mehr im Grab liegt und man nicht weiß, wo er ist. Die beiden Jünger gehen zum Grab und finden die Aussage von Maria bestätigt. Einer von ihnen kommt zum Glauben. Sie kehren jedoch wieder zurück nach Hause und bleiben dort. Anders verhält sich Maria. Sie bleibt vor dem Grab stehen und weint. In dieser für sie hoffnungslosen Situation am Grab Jesu, kommt es zu zwei außerordentlichen Begegnungen. Zuerst sieht sie zwei Engel im leeren Grab, die sie fragen: „Frau, warum weinst du?“ Es ist jemand da, der ihre Not und ihre Tränen sieht. Sie erklärt ihnen, dass Jesus weg ist und sie nicht weiß, wo er ist. Mit der gleichen Frage beginnt ihre zweite Begegnung mit dem auferstandenen Jesus, den sie noch nicht erkennt. Er fragt sie: „Frau, warum weinst du? Wen suchst du?“ (Joh 20,15). Das sind die ersten Worte des auferstandenen Jesus im Johannesevangelium. Wie in seinem irdischen Leben interessiert er sich auch jetzt nach seiner Auferstehung für die Menschen, für ihre Not und ihr Suchen. Das Weinen und die Tränen Marias bleiben ihm nicht verborgen. Auch wenn sie ihn noch nicht erkennt, gewinnt er ihr Vertrauen.

 

 

Beim Namen rufen und das Wiedererkennen

 

Der unbekannte Vertraute lässt sich nun erkennen. Jesus ruft Maria beim Namen: „Maria!“ Sie erkennt ihn sofort und sie spricht ihn mit „Rabbuni! Mein Lehrer“ an so, wie sie ihn als seine Jüngerin von Anfang an angesprochen hat. Nicht das Sehen des Auferstandenen, sondern das Hören seiner Stimme, sein Rufen beim Namen, bewirkt, dass Maria ihn wiedererkennt. Während sie ihren Namen hört, weiß sie gewiss, dass derjenige, der vor ihr als Gärtner steht, kein anderer ist als Jesus. Er lebt. Er ist auferstanden. Ihre Sorgen um das Grab und den Leichnam Jesu sind mit diesem Moment wie weggeblassen. Das Zeichen aller Zeichen ist geschehen. Jesus lebt.

 

 

 

Den Abstand halten, damit der Sendungsauftrag durchgeführt und die Frohbotschaft weitergegeben werden kann

 

Jesus lässt jedoch Maria keine Zeit für eine längere Begegnung, keine Zeit für ein Festhalten. Denn er muss zuerst zum Vater gehen und auch Maria muss zuerst ihren Sendungsauftrag erfüllen. Er sendet sie mit den Worten: „Geh aber zu meinen Brüdern und Schwestern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott“ (Joh 20,17). Maria Magdalena und Jesus werden zuerst den Abstand halten, um ihre Sendung zu erfüllen und die Frohbotschaft vom Leben und der Auferstehung weiterzugehen. Sie werden den Abstand halten, damit Jesus zum Vater gehen kann und damit Maria Magdalena den Jüngern Jesu das neue Gottesverständnis, das sie von Jesus bekommen hat, verkünden kann. Dieses besagt, dass der Vater Jesu auch unser Vater ist, sein Gott auch unser Gott ist und demzufolge Jesus unser Bruder ist. Maria Magdalena erfüllt ihren Sendungsauftrag und erweist sich als Apostelin der Apostel. Sie kommt zu den Jüngern und legt ihr Zeugnis als Apostelin ab: „Ich habe den Herrn gesehen.“ Und sie berichtet, was Jesus, der Auferstandene, ihr gesagt hat.

 

 

Unsere Begegnungen mit dem Auferstandenen

 

Was besagt uns die Begegnung vom Auferstandenen und Maria Magdalena nach etwa 2000 Jahren? Drei hoffnungsvolle Perspektive möchte ich hervorheben. Erstens, der auferstandene Jesus ergreift die Initiative und kommt auch zu uns, zu jeder und jedem von uns. Nicht hoch zu Ross zeigt er sich, sondern auf der Augenhöhe mit Interesse und Mitgefühl für unsere Situation. „Warum weinst du? Wen suchst du?“ sind seine Fragen an uns. Er kennt unsere Tränen und Sorgen auch angesichts der Krankheit und des Todes. Er kennt unser Suchen und unsere tiefste Sehnsucht nach dem unvergänglichen Leben. Zweitens kennt der auferstandene Jesus auch uns persönlich und ruft uns beim Namen. Wie Maria können wir seine Stimme hören und zur Gewissheit kommen, dass er lebt und dass der Tod nicht das letzte Wort hat, sondern das Leben. Und drittens sind auch wir aufgrund der Begegnung mit dem Auferstandenen gerufen, uns ganzheitlich dafür einzusetzen, dass die Frohbotschaft von Jesus und sein neues Gottesverständnis jeden Menschen erreicht. Nicht zum Festhalten der Ostererfahrung nur für uns selber, sondern zur mutigen Weitergabe und zum Zeugnis für den auferstandenen Jesus sind wir nach dem Vorbild von Maria Magdalena berufen.

 

 

 

Fürchtet euch nicht! Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaft auferstanden! –auch für Dich und mich. Das Leben hat den Tod besiegt. Halleluja!

 

 

 

Hoffnungsvolle und gesegnete Ostern wünscht Euch allen und Euren Familien

 

Eure Pastoralassistentin Mira

 


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Gedanken und Impulse zum Ostersonntag - 12. April 2020
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