Gedanken und Impulse zum Karfreitag am 10. 04. 2020


 

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

 

 

 

An den Mittwoch- und Freitag- Kreuzwegen haben wir es immer wieder ausgesprochen: Wir beten dich an Herr Jesus Christus und preisen dich. Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst. Heute am Karfreitag gedenken wir dem Leiden und Sterben Jesu. In der Passion wurde unsere Aufmerksamkeit auf die letzten Tage im Leben Jesu gelenkt.

 

In dieser Zeit kam nicht nur Jesus in Bedrängnis: Er wird sich wohl auch die Frage nach der Annahme des Urteils gestellt haben. Er ließ aber alles geschehen wie es die Schrift ankündigte. Blicken wir auf Simon Petrus: Seit Anfang des öffentlichen Auftretens mit Jesus unterwegs. Bei vielen Begegnungen Jesus ganz nahe als Wegbegleiter und Freund. Er hätte sicher nie gedacht, dass er seinen Freund 3mal verleugnen würde. Das Krähen des Hahnes holte Simon Petrus in die Wirklichkeit zurück. WAS bedeutet das für uns heute? Werden wir nicht auch angefragt? WAS du gehörst noch zu dieser Kirche? Wir wissen alle welche Themen aktuell sind. Die Person Jesu ist eigentlich nie Thema- Haben wir den MUT in die Jesusnachfolge zu treten oder verleugnen wir unser Christsein am Arbeitsplatz, im Cafe, am Stammtisch, am Spielplatz, in der Schule oder bei Freizeitaktivitäten. Es kräht ja eh kein Hahn mehr danach oder doch?

 

Blicken wir noch auf die Begegnung kurz vor dem Tod Jesu. Bei dem Kreuz standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas und der Jünger, den er liebte.  Er sagte zur Mutter „Frau siehe dein Sohn und zum Jünger „Siehe deine Mutter“. Selbst in den Momenten am Kreuz, die alle Kraft abverlangte, denkt Jesus noch an seine Mutter und den Lieblingsjünger- Jesus immer für andere DA- selbst in der Todesstunde. Jesus selbst ist Ausdruck der LIEBE Gottes zu den Menschen und zum Vater. Kurz darauf sagte er: „Es ist vollbracht“ Und er neigte das Haupt und übergab den Geist. Um der Liebe willen geschieht das, was sich am Kreuz ereignet hat. „Es ist vollbracht“-die letzten Worte Jesu. Ob diese Worte viele gehört haben?

 

Leise kommt die Liebe auf uns zu. Sie verändert die Welt anders, als es durch die lauten Taten geschieht. Ein fremder Ton kommt in unsere Welt, in der sich so viel verändert. Ein Echo findet dieser Ton dort wo wir dem Egoismus nicht das letzte Wort lassen, sondern uns für andere Menschen öffnen, zu ihnen Beziehung pflegen, an ihren Leiden teilnehmen und mit ihnen neue Wege gehen. Das geschieht selten spektakulär oder öffentlichkeitswirksam, sondern im unauffälligen, alltäglichen Handeln: Bei einem Krankenbesuch, bei einer kurzen Begegnung auf der Straße, in der Wohnanlage, auch beim Gebet. So ist das Kreuz unübertroffenes und nicht überbietbares Zeichen leidender Solidarität. Für uns Christen ist das Kreuz Zeichen göttlicher Liebe in unserer Welt. Es ist uns anvertraut. Jede und jeder hat sein eigenes Kreuz zu tragen. Es kann sogar Lebenspläne durchkreuzen. In der Fastenzeit zugefallen ist mir heuer ein schöner Ausdruck von Hans Urs von Balthasar: Das KREUZ ist der Ernstfall der LIEBE.

 

Mit unserem DASEIN heute nehmen wir diesen Ernstfall wahr. Der menschgewordene Gott ist dabei- in den Aufstiegen und im Fallen unseres persönlichen Lebens. Wenn das nicht Grund zur Hoffnung ist.

 

Seht an das Holz des Kreuzes, an dem der Herr gehangen, das Heil der Welt. Kommt lasset uns anbeten!

 

Ein großes Schweigen steht über dem Karfreitag. Jesus Christus, der Sohn Gottes und Licht vom Licht stirbt am Kreuz. Diesen TAG müssen wir aushalten. Wir müssen begreifen, was das heißt—für jeden von uns und für die ganze Kirche. Für einen Augenblick hat der Tod das vorletzte Wort. Der Karfreitag mit seiner Liturgie, lädt uns jetzt ein, die STILLE zu wahren und nur unserer Stimme zu trauen, ohne Orgelbegleitung, einfache Trostlieder zu singen. Zu begreifen ist dieses Geschehen nicht- es bleibt uns ein GEHEIMNIS. Nutzen wir diesen Abend, um innezuhalten, nachzudenken, im Herzen zu bewahren und niederzuknien vor dem Kreuz- unserer Hoffnung, um dem näher zu kommen was es heißt: „Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Hoffnung, im Kreuz ist Leben.“ AMEN

 

 

Karoline Neuner, Pastoralassistentin im SSR Thaur-Absam


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Gedanken und Impulse zum Karfreitag - 10. April 2020
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