Dreifaltigkeitssonntag


 

 

 

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

 

 

 

Zum ersten Mal im Johannesevangelium hören wir das Wort „lieben“, und zwar im nächtlichen Gespräch Jesu mit Nikodemus. Jesus sagt ihm: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab“ (Joh 3,16). „Welt“ (griechisch: kosmos) - gemeint ist vor allem die Menschenwelt / Menschheit. Es ist die Welt, die nicht nur schön und liebenswert ist, sondern in der es auch Dunkelheit gibt, Leid, Gewalt. Es ist die Welt, die einerseits empfänglich ist für Jesu Botschaft, in der Jesus anderseits auch abgelehnt und grausam getötet wird.

 

Die Menschenwelt / Menschheit ist dazu angelegt Gott zu suchen. Die Frage und Suche nach Gott ist allen Menschen gleichsam ins Herz gelegt. Religiöse Ahnungen und Vorstellungen von Gott gibt es in allen Religionen und ganz besonders im Volk Israel. Im eigenen religiösen Suchen bleibt jedoch vieles ungewiss und verborgen. Wer ist Gott wirklich?

 

Mit Jesus kommt etwas Neues in die Welt, etwas überraschend, ja revolutionär Neues. Er vermittelt uns ein neues Verständnis von Gott, das bisherige Auffassungen von Gott überbietet und gleichsam in den Schatten stellt. Er bringt verlässliche Kunde von Gott, weil er in einem Nahverhältnis zu Gott steht wie kein Mensch sonst auf unserer Erde (Joh 1,18). Er bezeugt uns Gott als liebenden Vater.

 

Wie und in welcher Weise liebt Gott die Welt? – An Jesus wird das sichtbar. Zum Zeichen / Beweis seiner Liebe zur Welt, gibt Gott den einzigen, den geliebten Sohn. Er schenkt uns mit Jesus gleichsam das Kostbarste, was er hat. Mit seinem ganzen Leben und Wirken ist Jesus der Zeuge der Liebe Gottes. Er gibt sein Leben hin als Zeuge / Märtyrer der Liebe Gottes.

 

Gottes Liebe zur Welt ist verschwenderisch. Sie kennt keine Grenzen. Sie gilt nicht nur liebenswürdigen Personen, die ein gutes religiöses Leben führen. Sie ist unabhängig von menschlichen Voraussetzungen und Leistungen. Gottes Liebe zur Welt können wir verbinden mit den Wörtern „dennoch“ und „trotzdem“. Sie gilt einer Welt, die beherrscht ist von Lüge und Gewalt und Unrecht.

 

„Gott hat die Welt so sehr geliebt …“ – Damit ist nicht nur ein Ereignis in der Vergangenheit gemeint. Gott liebt die Welt auch heute. Es ist nicht vorstellbar, dass seine Liebe einmal aufhört. Wie zeigt sich seine Liebe heute? Wir erkennen sie nach wie vor im Blick auf Jesus. Wir dürfen sogar sagen: „Gott liebt mich so sehr, dass er seinen einzigen Sohn gibt“.

 

Jeder Mensch, der zum Glauben an Jesus findet, darf sich geliebt wissen. Damit verbunden ist die Gewissheit: Ich gehe nicht verloren. Ich habe Hoffnung auf Unvergänglichkeit / ewiges Leben.

 

Sich geliebt wissen – damit verbindet sich auch der Gedanke: ich bin in einer Beziehung, die kein Ende haben wird. Wir können uns nicht vorstellen, dass Liebe einmal nicht mehr sein wird. Was auch immer kommt – sei es auch Verlassenheit Einsamkeit, Krankheit Leid – es ist einer da, der an mich denkt, dem ich viel bedeute und der mich nicht im Stich lassen wird.

 

Was den Menschen wirklich verändert, ist, wenn ihn jemand bedingungslos liebt. Das gilt auch von der Liebe Gottes zu uns. Gottes Liebe ist ein Geschenk. Sie wird umsonst gegeben und vorbehaltlos. Zugleich ist sie nicht aufdringlich. Wir können sie nicht verdienen. Sie ist nicht Belohnung für unser Tun. Wir können darauf nur antworten – und zwar durch unsere ganze Lebenspraxis.

 

Im Blick auf die Welt heute fragen wir: Wie kann diese Welt geliebt sein, in der es viel Leid gibt, Probleme und Ängste? Wir haben die kühne Überzeugung: Gott hört nicht auf sie zu lieben. Das Evangelium ermutigt uns zu einer besonderen Sicht der Wirklichkeit, zu einer „mystischen“ Sicht der Welt. Ohne die Augen vor der Realität zu schließen sehen wir die Welt im Licht der Liebe Gottes.

 

Und das prägt selbstverständlich auch unsere Handlungsweise. Diese ist auch bestimmt durch die Überzeugung, dass wir das „ewige Leben“ anfänglich haben, jetzt schon.

 

 

 

P. Martin Hasitschka SJ

 

 


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Gedanken und Impulse zum Dreifalltigkeitssonntag 07. Juni 2020
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Gedanken und Impulse zum Sonntagsevangel
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