Gedanken und Impulse zum Sonntagsevangelium am 5. Fastensonntag am 29. 03. 2020


 

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

 

In manchen Kirchen wird nach Mittelalterlicher Tradition ab dem heutigen Sonntag das Kreuz verhüllt. Das ist eigentlich verwunderlich - denn gerade jetzt sollte es doch im Mittelpunkt unserer Betrachtung stehen. Das hat eine geschichtliche Erklärung: Im hohen Mittelalter gab es viele geschmückte Kreuze. Mit Gold überzogen und edlen Steinen geschmückt, künden sie bis heute vom Sieg Christi über den Tod durch seinen Tod am Kreuz.

 

Zunächst wurden nur diese Kreuze verhüllt, weil vor dem Sieg das Leiden steht. Später hat man dann alle Kreuze verhüllt. Und das hat eine wichtige Wirkung: Gerade durch das Verhüllen werden unsere Blicke wieder bewusst auf das Kreuz gelenkt, es tritt in den Mittelpunkt, eben weil es verborgen ist. Und wenn es am Karfreitag Schritt für Schritt wieder enthüllt wird, dann sehen wir es wieder mit neuen Augen

 

Das Leiden Jesu wird dabei ins Bewusstsein gehoben! Früher haben sich die Menschen intensiv in das Leiden und Sterben Jesu hineinmeditiert und gebetet, um gerade so mit dem eigenen Leid und dem Tod wenigstens einigermaßen zurechtzukommen und Trost und Kraft zu finden. Heute sind zwar das Leiden und das Leid nicht weniger geworden, aber das Leiden Jesu, sein Sterben am Kreuz scheint doch irgendwie in den Hintergrund gerückt.

 

Dabei ist sich das ganze Neue Testament in kaum einem Punkt so einig wie in dem, dass das Leiden und Sterben Jesu und seine Auferstehung an Ostern die Mitte der ganzen christlichen Botschaft, des ganzen Evangeliums ausmachen. Nur durch diese Brille kann man all die anderen Erzählungen von Jesus in den Evangelien richtig verstehen.

 

Jesus nimmt das Leiden an und auf sich. Er tut dies, wohlgemerkt, nicht, weil Leiden an sich etwas Gutes wäre. Er sucht nicht das Leiden.

 

Aber er geht den Weg seiner Sendung vom Vater her bis zur letzten Konsequenz: Gott als den Gott der Liebe und der Versöhnung bis zum Äußersten den Menschen zu offenbaren. Auch noch dann, als er abgelehnt wird.

 

Jesus geht den Weg des Lebens in den Tod und wird so in allem uns Menschen gleich. Er gibt sich ganz und gar hin für uns Menschen, um so endgültig die Liebe Gottes und seine lebensspendende Macht zum Sieg zu führen, Versöhnung zu stiften: Erlösung sagen wir dazu. Er weiß, was Leid und Leiden ist aus eigener Erfahrung.

 

Und wenn in den Ostererzählungen der Evangelien eigens berichtet wird, dass seine Wundmale auch nach seiner Auferstehung noch sichtbar waren, dann heißt das: Auch der auferstandene und verherrlichte Jesus Christus hat nicht vergessen, was Leid ist. ja, er bleibt geprägt von dem, was uns Menschen oft so schmerzhaft prägt: dem Leiden.

 

In der Taufe wurde es uns unauslöschlich und für immer eingeprägt. Das Markenzeichen Christi, das Siegel des Lebens. Das feiern wir Sonntag für Sonntag in unseren Gottesdiensten.

 

Wer das Leiden Jesu betrachtet, kann auch einen neuen Zugang zum Leiden überhaupt finden, zu dem anderer und vielleicht auch, wenn es möglich ist, zum eigenen Leid.

 

Besonders die kommenden Tage der Passionszeit laden dazu ein, das Leiden Jesu Christi zu betrachten. Kreuzwegmeditationen, die Betrachtung der Leidensgeschichte in den vier Evangelien und nicht zuletzt der schmerzhafte Rosenkranz können dazu eine Hilfe sein. Und dann können wir vielleicht mit neuer Ergriffenheit mit Martha sagen:

 

„Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.“

 

Diakon Hermann-Josef

 


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Gedanken und Impulse zum Sonntagsevangelium - 5. Fastensonntag - 29. März 2020
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